Wachstum im Angesicht des Todes 2/5

Work

2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

Es sind meistens Männer, die so ihr Resümee ziehen. Sie haben ihre Jugend zu früh aufgegeben und nicht ausreichend Zeit mit ihrem Lebenspartner verbracht, so die Besinnung.

Sie bedauern, so viel Zeit in ihre Karriere investiert zu haben und so wenig in die Dinge, die Sie geistig und emotional hätten bereichern können.

Sie wünschen, sie hätten ein einfacheres Leben geführt, ohne die Hast nach dem nächsten Euro, um das so wertvolle Leben abzusichern, bevor es vorbei ist.

Sie sprechen von der Bedürfnis nach „mehr Eigenraum“ in ihrem Leben, den sie vielleicht eher durch ein „entrümpeln“ des eigenen Lebensstils hätten erreichen können, als durch ein stetiges hinzufügen neuer „Dinge“ im eigenen Wohlstandscontainer.

Mehr Möglichkeiten sind es, die sie sich wünschen. Einige erkennen, dass genau diese Möglichkeiten alle irgendwie präsent waren, sie diese nur einfach nicht erkannt haben, da ihnen der Blick durch eine ungünstige, aber selbstgewählte Betrachtungsweise und -position verbaut war.

Alles, was vorher so wichtig schien, verliert plötzlich an Gewicht. Und vieles wird dadurch leichter …

Original-Photo von John P. - http://www.flickr.com/photos/23565432@N05/

Wachstum im Angesicht des Todes 4/5

Freunde
4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden stärker gepflegt.

Oft erkennen wir den tiefen Nutzen nicht, der aus einer Beziehung mit alten Freunden entspringt. Erst wenn das eigene Sterben greifbar ist, wird uns das wirklich klar. Nur verbleiben eben dann oft nur Wochen oder manchmal Tage, um den Kontakt wieder zu aktivieren und aufleben zu lassen.

Viele der von mir erwähnten Menschen waren so sehr in ihrem jetzigen Geschehen gefangen, das sie nicht die Zeit und Anstrengungen investierten, um diese Beziehungen zu pflegen und am Laufen zu halten.Oft ist ganz einfach die Notwendigkeit im Hier und Jetzt nicht erkennbar und andere Dinge haben ganz einfach Vorrang.

Aber wenn wir mit unserem nahen Tod konfrontiert sind, fallen die physischen Details des Lebens und die bisherige Lebensroutine in die Bedeutungslosigkeit. Das ist der Moment, wenn die Sehnsucht nach geistiger, psychischer, emotionaler Geborgenheit und Klarheit an fast ausschließlicher Übermacht gewinnt.

Auch wollen die Betroffenen ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen, insofern dies noch möglich ist. Es sind nicht Geld oder Status, welche die wahre Bedeutung für sie haben. Sie wollen einfach ihre gefühlten oder tatsächlichen Verpflichtungen in Ordnung bringen, und das zum Nutzen derer, die sie lieben. In der Regel sind sie aber zu krank und zu müde, um diese Aufgabe zu bewältigen.

Und so ist am Ende des eigenen Weges wieder alles auf Liebe und Beziehungen reduziert. Das ist alles, was in den letzten Wochen wohl bleibt: Liebe und Beziehungen.

Photo von Yannic Meyer - http://www.flickr.com/photos/yannic/