Stressregulierung durch virtuelle "Taste 42"

Stop

Es gibt reichlich Forschungen die beweisen, dass Ihr Gehirn auch nicht den Unterschied zwischen einer realen und imaginären Bedrohung erkennt. Die physische, körperliche Reaktion ist identisch. Wer ist nicht schon einmal bei einer gruseligen Szene im Fernsehen zusammengezuckt, als der kettensägende Massenmörder plötzlich aus der Deckung springt und sein armes Opfer in 34 gleichgroße, blutige Stücke aufteilt?

Wer schon mal eine Panikattacke miterlebt hat weiß was gemeint ist. Der Körper bereitet sich auf eine Gefahr vor, obwohl diese real nicht existiert. Allein die Vorstellung von einem möglichen „Horrorszenario“ reicht aus, um deutliche körperliche Auswirkungen zu haben.

Sollten Sie einmal in eine ungewünschte Panikattacke geraten, empfehle ich die „Taste 42“-Methode.

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine rote Taste genau in der Mitte Ihrer linken Handfläche.
  • Stellen Sie sich vor, dass diese Taste, wenn sie gedrückt wird, ein Signal an Ihr Gehirn sendet, welches Ihr ängstliches Denken zu stoppen vermag.
  • Visualisieren Sie, wie dieses Signal aussieht, ob es eine Farbe hat und vielleicht sogar einen ganz eigenen Klang.
  • Drücken Sie diese Taste mit der rechten Hand, während Sie sich auf Ihre Atemfrequenz konzentrieren.
  • Nehmen Sie mindestens drei tiefe, langsame Atemzüge und zählen Sie von einer beliebigen Zahl (z.B. „42“) runter, soweit wie Sie es brauchen.
  • Geben Sie jeder genannten Zahl eine eigene Farbe und betrachten Sie Ihre Form.
  • Erkennen Sie, wie Sie sich mit jedem Atemzug immer mehr entspannen.

Diese Intervention hat deswegen eine so starke ausgleichende Wirkung, weil Sie Ihrem Gehirn einen Fokuswechsel aufzwingen. Ihre geistige Energie folgt nun mal der gewählten Aufmerksamkeit.
Üben Sie‘s doch mal. Sie werden überrascht sein ;-)

Photo von inoxkrow - http://www.flickr.com/photos/inoxkrow/

"Selbstverarschung" macht gesund

Die Gesichts-Feedback-Hypothese nimmt an, dass besonders die Mimik eines Menschen seine Emotionen repräsentiert. Auch Änderungen in der Körpersprache deuten auf unterschiedliche Gefühle hin. Beispielsweise kann Ihr eigenes Gehirn auf unbewusster Ebene nur schwer den Unterschied zwischen einem gestellten und einem echten Lächeln erkennen. Obwohl es sich um Ihr eigenes handelt.

Verblüfft? Ihr Gehirn nimmt an, dass, wenn Sie schon selbst lächeln, es dafür auch einen Grund, einen neurobiologischen Ursprung geben muss. Ein gestelltes Lächeln wird physiologisch die gleiche Glückshormonausschüttung hervorrufen, wie ein echtes Lächeln. Die Stimulation Ihrer Gesichtsmuskeln und bestimmter Nervenenden  signalisieren Ihrem Gehirn, bitte jetzt positive Gefühle zu entwickeln.

Versuchen Sie’s doch mal und „grinsen sich für mindestens eine Minute einen“, egal wie albern oder absurd Ihnen dies auch erscheint. Sie werden feststellen, dass nach ca. 30 Sekunden bereits ein Kribbeln in Ihrem Körper die Verteilung der entsprechenden Signale in Ihrem Körper ankündigt. Kurze Zeit später wird sich mindestens (!) ein echtes Schmunzeln in Ihrem Gesicht wiederfinden, wenn Sie Ihr künstlich erzeugtes, übertriebenes Lächeln wieder einstellen wollen.
Sie wissen doch: Lachen ist gesund ;-) Sie müssen es nur lange genug tun.
Erkennen Sie, wie sehr dieses Wissen Sie in die Lage versetzt, Ihren eigenen körperlichen und emotionalen Zustand zu regulieren. Versuchen Sie es das nächste Mal, wenn Sie in einer schlechten Stimmung sind: Nicht Stirnrunzeln! Lächeln! Entscheiden Sie sich bewusst, etwas anderes auszudrücken, als Sie in dem Moment empfinden. Ihr Gehirn wird der „Selbstirreführung“ nach kurzer Zeit folgen.

Teilnehmer fragen mich gerne: „Aber ist das nicht Selbstverarschung?“
Meine Antwort lautet dann: „Klar ist es das. Na und? Hauptsache es funktioniert und Sie werden wieder Herr über Ihre Gefühlslage. Das ist doch das, was wirklich zählt.“

Photo von sean-b - http://www.flickr.com/photos/sean-b/