"Selbstverarschung" macht gesund
Die Gesichts-Feedback-Hypothese nimmt an, dass besonders die Mimik eines Menschen seine Emotionen repräsentiert. Auch Änderungen in der Körpersprache deuten auf unterschiedliche Gefühle hin. Beispielsweise kann Ihr eigenes Gehirn auf unbewusster Ebene nur schwer den Unterschied zwischen einem gestellten und einem echten Lächeln erkennen. Obwohl es sich um Ihr eigenes handelt.
Verblüfft? Ihr Gehirn nimmt an, dass, wenn Sie schon selbst lächeln, es dafür auch einen Grund, einen neurobiologischen Ursprung geben muss. Ein gestelltes Lächeln wird physiologisch die gleiche Glückshormonausschüttung hervorrufen, wie ein echtes Lächeln. Die Stimulation Ihrer Gesichtsmuskeln und bestimmter Nervenenden signalisieren Ihrem Gehirn, bitte jetzt positive Gefühle zu entwickeln.
Versuchen Sie’s doch mal und „grinsen sich für mindestens eine Minute einen“, egal wie albern oder absurd Ihnen dies auch erscheint. Sie werden feststellen, dass nach ca. 30 Sekunden bereits ein Kribbeln in Ihrem Körper die Verteilung der entsprechenden Signale in Ihrem Körper ankündigt. Kurze Zeit später wird sich mindestens (!) ein echtes Schmunzeln in Ihrem Gesicht wiederfinden, wenn Sie Ihr künstlich erzeugtes, übertriebenes Lächeln wieder einstellen wollen.Sie wissen doch: Lachen ist gesund ;-) Sie müssen es nur lange genug tun.
Erkennen Sie, wie sehr dieses Wissen Sie in die Lage versetzt, Ihren eigenen körperlichen und emotionalen Zustand zu regulieren. Versuchen Sie es das nächste Mal, wenn Sie in einer schlechten Stimmung sind: Nicht Stirnrunzeln! Lächeln! Entscheiden Sie sich bewusst, etwas anderes auszudrücken, als Sie in dem Moment empfinden. Ihr Gehirn wird der „Selbstirreführung“ nach kurzer Zeit folgen.
Teilnehmer fragen mich gerne: „Aber ist das nicht Selbstverarschung?“
Meine Antwort lautet dann: „Klar ist es das. Na und? Hauptsache es funktioniert und Sie werden wieder Herr über Ihre Gefühlslage. Das ist doch das, was wirklich zählt.“
Photo von sean-b - http://www.flickr.com/photos/sean-b/