Wachstum im Angesicht des Todes 4/5
Oft erkennen wir den tiefen Nutzen nicht, der aus einer Beziehung mit alten Freunden entspringt. Erst wenn das eigene Sterben greifbar ist, wird uns das wirklich klar. Nur verbleiben eben dann oft nur Wochen oder manchmal Tage, um den Kontakt wieder zu aktivieren und aufleben zu lassen.
Viele der von mir erwähnten Menschen waren so sehr in ihrem jetzigen Geschehen gefangen, das sie nicht die Zeit und Anstrengungen investierten, um diese Beziehungen zu pflegen und am Laufen zu halten.Oft ist ganz einfach die Notwendigkeit im Hier und Jetzt nicht erkennbar und andere Dinge haben ganz einfach Vorrang.
Aber wenn wir mit unserem nahen Tod konfrontiert sind, fallen die physischen Details des Lebens und die bisherige Lebensroutine in die Bedeutungslosigkeit. Das ist der Moment, wenn die Sehnsucht nach geistiger, psychischer, emotionaler Geborgenheit und Klarheit an fast ausschließlicher Übermacht gewinnt.
Auch wollen die Betroffenen ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen, insofern dies noch möglich ist. Es sind nicht Geld oder Status, welche die wahre Bedeutung für sie haben. Sie wollen einfach ihre gefühlten oder tatsächlichen Verpflichtungen in Ordnung bringen, und das zum Nutzen derer, die sie lieben. In der Regel sind sie aber zu krank und zu müde, um diese Aufgabe zu bewältigen.
Und so ist am Ende des eigenen Weges wieder alles auf Liebe und Beziehungen reduziert. Das ist alles, was in den letzten Wochen wohl bleibt: Liebe und Beziehungen.
Photo von Yannic Meyer - http://www.flickr.com/photos/yannic/