Wachstum im Angesicht des Todes 1/5
In den letzten sechs Monaten sind in meinem Kunden- und Freundeskreis einige mir wichtige Menschen verstorben. Einige hatten nur wenige Wochen, um sich auf ihren bevorstehenden Tod einzustellen. Andere sind nach längerer Krankheit eines Tages einfach nicht mehr aufgewacht und haben „die Plätze getauscht“, wie es einer dieser mir so wichtigen Menschen nannte.
Ich hatte das Glück, mit vielen von ihnen vor ihrem Ableben noch einige sehr bewegende Gespräche zu führen, die auch meine Lebenseinstellung (wiedermal) neu beleuchten.
Seit Wochen suche ich nun nach einer Quintessenz aus diesen Erfahrungen und Eindrücken. Bei meinen Recherchen zu dem Thema, traf ich auch auf die Geschichten der Palliativpflegerin Bronnie Ware, die ziemlich gut das spiegeln, was mich heute bewegt und wahrscheinlich in den Köpfen und Herzen der Sterbenden vorging.
Es beginnt mit einer ganz einfachen Zusammenfassung: Menschen wachsen besonders dann, wenn sie mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert sind.
Einige Veränderungen sind phänomenal. Oft ist es eine Mischung aus Emotionen wie Verleugnung, Angst, Wut, Reue, noch mehr Verleugnung ... - und schließlich dann doch Akzeptanz.
Menschen wissen plötzlich sehr wohl, was sie anders hätten machen wollen, wenn ihnen die Frage danach gestellt wird. Einige Einsichten tauchten in den Gesprächen immer wieder auf.
1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu führen, und nicht das, welches andere von mir erwarten.
Dies ist das häufigste Bedauern. Wenn Menschen erkennen, dass ihr Leben fast vorbei ist und Rückschau halten, erkennen sie, wie viele Träume unerfüllt bleiben. Die meisten Menschen haben noch nicht einmal die Hälfte ihrer Träume erfüllt gesehen und sterben mit der Erkenntnis, dass Sie selbst dafür verantwortlich sind, aufgrund der Entscheidungen die sie getroffen oder eben nicht getroffen haben.
Von diesem Moment an resignieren sie entweder völlig oder aber sie fangen an, mit aller Kraft noch das letzte Quäntchen Leben aus der verbleibenden Zeit zu quetschen. Leider fehlt ihnen aber genau dafür dann die nötige Kraft, da sie Ihre Gesundheit bereits verloren haben.
Gesundheit bringt eine Freiheit, die nur wenige realisieren, bis sie diese nicht mehr haben.
Original-Photo von me_maya - http://www.flickr.com/photos/me_maya/